Hat der Online-Times die Zeit geschlagen?
Heute füllt die Nachricht vom starken Rückgang der Zugriffszahlen der kostenpflichtigen Times-Webseiten nicht die noch kostenlosen Nachrichtenseiten von Spiegel Online und anderen. Stellt sich an dieser Stelle mal wieder die Frage aller Fragen, wie man denn bitte im Internet Geld verdienen kann und ob die radikale “Geld-für-Inhalte”-Denkweise von Rupert Murdoch erfolg haben wird.
So einfach ist das allerdings nicht, lassen sich doch bekannte kommerzielle Modelle nicht so einfach 1:1 ins Netz übertragen, wo sich nun mal eine “umsonst-und-mit”-Philosophie breit macht. Was also tun? Zur späten Stunde ein paar schnelle Gedanken hierzu.
1. Mit Werbung lässt sich im Internet kein Geld verdienen – Fragt man sich natürlich, weshalb Google dann zu den teuersten Unternehmen zählt, wenn das nicht lukrativ ist. Ist es schon, allerdings nur für den Anbieter der Technologie, in diesem Fall Google. Dort verdient man aufgrund der schieren Menge der geschalteten Anzeigen auch bei Beträgen, die noch 3 Nullen hinter dem Komma haben, genügend Geld – Hauptsache die Zahl der Anzeigen hat mindestens neun Nullen vor dem Komma. Für den Kleingewerbetreibenden, der auch mal ein paar Google-Anzeigen auf seiner Seite einblendet, bedeutet das aber im Umkehrschluß, dass für seine 500 Besucher im Monat die Anzahl der Nullen hinter dem Komma zu groß ist, dass da noch was überbleibt.
2. Wird die Times / Rupert Murdoch damit erfolgreich sein? Kommen wir wieder auf die Times – hier hat man berechnet (wie seriös entzieht sich meiner Kenntnis), dass es 250.000 Abonnenten bedürfe, die fehlenden Werbeeinnahmen wieder auszugleichen. Derzeitiger Stand: circa ein Zehntel davon, sprich um die 25.000. Fragt man sich natürlich, weshalb dann dieser Schritt? Gut, ich kenne Herrn Murdoch jetzt nur aus der Presse und er ist nicht gerade für sein progressives Denken bekannt, sondern eher für eine konservative Haltung. Und in dieser Haltung ist nun mal kein Platz für ein “kostenlos”, wie wir es im Internet kennen.
Wird er damit Erfolg haben? Sicherlich nicht – gerade weil er das Pferd von Hinten aufzäumt. Zum einen hat die Presse bislang immer nur über eine Querfinanzierung durch Anzeigen gelebt, warum sollte sie das online nicht auch machen? Und letztlich ist die Online-Ausgabe nur Teil der Offline-Version, mehr oder weniger als Abfallprodukt entstanden. Dafür sind sicherlich nur die ganz technikaffinen iPad-Nutzer begeisterbar. Also, die Times wird es online spätestens in einem Jahr wieder kostenlos geben, dann aber mit noch mehr Werbung.
3. Also kann man im Internet kein Geld verdienen? Nur weil etwas umsonst ist, muss man deshalb nicht davon leben können. Das Beispiel er “Open-Source”-Software zeigt, dass es durchaus lukrativ für eine ganze Branche sein kann, kostenlose Software einzusetzen. Nehmen wir das Beispiel “Wordpress” auf dem auch dieser Blog aufbaut. Die Software wird von einer Community ehrenamtlich weiter entwickelt und steht allen Anwendern kostenlos zur Verfügung. Um dieses kostenlose Angebot ist eine ganze Industrie von Lösungsanbietern entstanden, die nur mit der Anpassung von WordPress-Installationen Geld verdienen.
Oder ein oft diskutiertes Beispiel, die Musikindustrie. Viele Musiker verdienen aufgrund der “kostenlos”-Mentalität der Konsumenten an den eigentlichen Musikstücken kein Geld oder nur wenig. Dafür aber um so mehr an Konzerten und Live-DVDs. Eine Tatsache, die im übrigen nichts mit den Tauschbörsen zu tun hat und die auch eingetreten ist, weil die Plattenfirmen und Vertriebsplattformen wie beispielsweise Apple via iTunes den Löwenanteil der Erträge abschöpfen – Apple ist hier, wie Google auch Plattformanbieter und verdient deutlich mehr als die Musiker auf der Plattform.
Musiker und andere Anbieter von kreativen Inhalten, unter anderem auch Bücher, müssen sich andere Wege suchen, wie über das eigentliche Werk hinaus Geld verdient werden kann. Als Lektüre empfehle ich hier als Gute-Nacht-Lektüre ”Free” von Chris Anderson. In seinem aktuellen Werk beleuchtet er alle Aspekte des Begriffs “Free” und stellt diese in den Kontext Internet und damit in ein völlig neues Licht. Das Buch gibt es hier als kostenlosen Hörbuch-Download Die gedruckte Version muss man allerdings kaufen, was ein Beispiel dafür ist, wie man auch mit kostenlosen Angeboten Geld verdienen kann.
