Der gebloggte Mob ist nicht zu bremsen

Letzte Woche bin ich über diese Meldung gestolpert, die mich dann doch stutzig gemacht hat. Hat doch der honorige Herr Grupp, der gerne laut und öffentlich seine Meinung kund tut, in einem Interview (scheinbar) die gesamte Blogger- und Twitterszene beschimpft und als Idioten bezeichnet. Nein sowas, wie kann der bloß.

Nimmt man sich die Zeit, das Ganze dann mal von hinten auf zu rollen, stellt sich die Angelegenheit dann doch ein wenig anders dar und darüber sollten wir als Schreibende im Internet mal länger als ein paar Klicks nachdenken.

Das ”Interview” wurde von Elita Wiegand telefonisch geführt und dann in wenigen Sätzen zusammen gefasst, die dann eine komplett ablehnende Haltung des schwäbischen Unternehmers in Richtung Social Media und E-Commerce zum Ausdruck brachten. Das entsprach auch perfekt dem Bild des etwas hinter dem Berg lebenden Patriarchen, der gerne mal verbal die Sau raus lässt – leider aber aber nicht der Wahrheit.

Trigema hat, nachdem aufgrund der stark gekürzten und damit entstellten Aussagen (hier  die offizielle Variante von Trigema) wohl ein Sturm der Entrüstung durchs Netz zog, absolut professionell reagiert und die Sache einfach mal richtig gestellt. Interessiert hat das nur wenige, weil die Lust am Draufhalten dann doch größer war. Es sind auch nur wenige anschließend auf die Idee gekommen, die Autorin mit derselben Hähme und Abscheu zu überziehen, die man es dem vermeindlichen Online-Basher Grupp angedeihen ließ. Wenn sich diese “Autoren” dann in den eigenen Kommentaren rausreden, sie hätten Aussagen so lange verdreht, bis sie auf den Punkt gebracht waren, muss man sich fragen, ob nicht eine Drehung weniger auch weniger Schaden angerichtet hätte.

Dieses “Beinahe PR-Desaster”, das eigentlich ein “Totales Blog-Desaster” ist, zeigt, wie einfach und nachhaltig die “ver”-öffentliche Meinung im Netz beeinflussbar ist. Kaum steht ein Schreihals an der virtuellen Ecke, schon tobt der gebloggte Mob durchs WWW und richtet mal richtig Schaden an. Ohne Nachfrage, mit der reinen Lust an der virtuellen Zerstörung und Brandmarkung.

Hier steht das Verlangen nach dem Vorne-mit-Dabeisein, dem “ich bin Erster, ich hab’s entdeckt”, das Klicken auf den “Gefällt mir-Button” wichtiger zu sein, als die Wahrheit oder das Ansehen einer Person. Was des Einen Freud über eine gelungene virale Kampagne, die von einer Welle Erstklicker durchs Netz getragen wird, ist des Enderen Leid, wenn diesselbe Horde ohne zu hinterfragen zur virtuellen Hexenjagd klickt.

Schlecht recherchiert, schlecht geschrieben, schlecht gemacht – nach dieser Maxime entstehen zu viele Blogs. Im Zwang einer täglichen Veröffentlichung stehend, auch noch aus der kleinsten Mücke einen Elefanten machend, wird jeder Einzelen zum kleinen Kai Diekmann, dem die Follower wichtiger sind, als eine noch so niedrige moralische Instanz.

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