TwitterUpdate
Nachdem das Thema die letzten Tage in einigen Diskussionen hochgekocht ist, schreibe ich jetzt auch mal was zu „Weshalb sollen Unternehmen twittern?“.
Kaum steht eine solche Frage im Raum, schon schießen rechts und links des Datenhighways die Seminare der Sehenden aus dem Boden. „Twitter erfolgreich nutzen – 70% mehr Umsatz dank Twitter – 1000 Followers in drei Tagen“, wird einem da per Klick versprochen, kaum dass man den neuen Kanal entdeckt hat.
Ich leben ja nicht davon, Halbweisheiten und Säue durchs Dorf zu treiben, deshalb kann ich gerne hier mal verraten, wie man erfolgreich twittert:
- 1. Tun. Twittern heißt zwitschern, deshalb auch der Spatz im Logo. Was die von den digitalen Dächern twittern ist der Gossip des Netzes und entweder Sie beteiligen sich daran, produzieren ein positives Grundrauschen für sich und ihr Unternehmen oder sie halten den Schnabel.Schreiben sie. Ohne Strategie, ohne Botschaft, einfach mal: „Guten Morgen, als Chief Financial Officer beginnt man den Tag auch nur mit einer Tasse Kaffee, aber die hat eben eine Goldkante.“ Dann warten was passiert.Sicherlich werden Sie nicht sofort gefeuert und auch nicht direkt zum Chef des Marketings befördert. Aber die Leser wissen eines: Da sitzt wohl ein Mensch, der morgens Kaffee trinkt und zu seiner Aufgabe wenigstens einen Funken Humor hat.
Eigentlich keine schlechte Sache, wenn die Kunden das über einen denken, oder?
- Seien Sie authentisch: in einem Umfeld, in dem Hausfrauen über Gartenarbeit und Schüler über ihr erstes Mal schreiben, kommen Botschaften wie: „Mehr vom Leben haben, kaufen Sie unser 1-A Produkt!“ nicht wirklich positiv an – im übrigen auch nicht, wenn man sie täglich zwanzig Mal twittert, nur damit Google einen findet. Also besser nichts schreiben, als solch einen Mist.Das Internet ist ein evolutionäre Medium, eine digitale Spielwiese für die Zeitgenossen, die wir in der Schule früher links liegen gelassen haben und die anschließend in der Garage ein 7-Billionen Dollar Unternehmen hochgezogen haben. Was soll man von einem Unternehmen erwarten, das nachweislich kein Geschäftsmodell hat und eigentlich nur darauf wartet von Microsoft oder Google gekauft zu werden?
- Twitter macht mehr Sinn, wenn man diesen erst gar nicht darin sucht. Man twittert, weil man das gerne macht – so einfach ist das. Nicht weil man sich damit die Ausgaben für nervende Werbebanner sparen will und diese durch nervende Botschaften auf Twitter ersetzt. Wie oft lesen Sie Tweets von Menschen, die ihnen Werbung unterjubeln? Eben, macht auch keinen Sinn. Also liebe Werber: bitte packt Eure Charts ein, macht was Neues, was Interessantes und nicht nur eklig provakant – schon folgen euch die Massen.
- Nutzen Sie Twitter, wenn Ihnen der Sinn danach ist, machen Sie Twitter aber nicht zur zentralen Plattform Ihrer Unternehmenskommunikation. Und gehen Sie nicht zu Seminaren, die ihnen genau das erzählen. Das könnte nach hinten los gehen (Kennt jemand noch MySpace?) .Vor kurzem habe ich gelesen, man soll mehr über andere schreiben, will man mehr Followers – aka: Abonnenten haben. Liebe Kollegen: wenn ich nur über andere rede, dann können meine Followers doch gleich denen folgen? Was sagt das über mich aus, wenn ich nur wiederkaue, was andere schon gesagt und gedacht haben? Welchen Grund habe ich für andere Werbung zu machen?Eben. Also lieber weniger Followers und dafür welche, die sich für mich interessieren.
Wie heißt es so schön: „Besser der Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach.“
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