Apple, U2 und die Netzgemeinde.

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Eigentlich wollte ich mal die Klappe halten, aber es reisst mich gerade einfach. Warum? Weil es sich gerade zeigt, wie wenig es doch zu berichten gibt und wie viel man darüber schreiben kann – genau deshalb wollte ich ja eigentlich nicht.

Von Anfang an: Apple stellt ein oder mehrere Produkte vor: Seit Monaten wird gerätselt und geleakt was die Bits und Hyperlinks hergeben. Die Netzgemeinde ergeht sich in Erwartungen und Einschätzungen, was wohl neues aus Cupertino unter der Rubrik, „Wir gehen auch übers Wasser“, präsentiert wird. Wer realistisch ist, erwartet zwei neue Smart-Phones und eine intelligente Uhr. Nicht mehr und nicht weniger. Apple macht es den Freunden von der bloggenden Zunft auch nicht leichter, baut man doch einen riesigen weißen Komplex just an dem Ort, wo vor 30 Jahren der erste Macintosh präsentiert wurde. Und der veränderte die Welt – für immer, im Rückblick für einige immer noch gleichzusetzen mit den Tontafeln von Moses, mindestens aber mit der Erfindung des Rades. Nicht für mich. Es war ein Meilenstein in der Geschichte von Apple und der Computerindustrie, nicht mehr und nicht weniger.

Zurück nach 2014. Wer etwas vergleichbares erwartete sollte schon von Beginn an gewusst haben, dass hier der Wunsch der Vater des Gedankens war. Die wesentlichen Dinge sind in diesem Bereich schon erfunden. Was jetzt noch kommt, zumindest bis es in der theoretischen und praktischen Physik nicht wirklich weitergeht, sind Detailverbesserungen und Kombinationen vorhandener Dinge. Ein schnelleres, größeres Smartphone oder eben die am Montag präsentierte Kombination aus Uhr und Smartphone.

Und so kam es auch. Apple präsentierte mit den beiden iPhones 6 und 6 Plus Meilensteine in der Entwicklung besserer Gerätegenerationen. Wer sich die Mühe macht, wird gerade in den Detailverbesserungen die Qualität von Apple erkennen. Die Kamera liefert eine noch bessere Qualität, die Möglichkeiten im Videobereich sind atemberaubend und in puncto Leistung steht der kleine Kasten einem durchschnittlichen Desktop-Rechner in nichts nach. Fazit: Ein nahezu perfektes Produkt noch verbessert, Mission erfüllt.

Mit ApplePay präsentierte man dann eindrucksvoll, wie man aus einem nicht funktionierenden Konzept, das seit Jahren von allen Industriegrößen gepflegt, aber nicht in entsprechenden Stückzahlen und Anwendungen zu einer vernünftigen Marktdruchdringung gebracht wird, aus dem Stand zu einem funktionierenden Eco-System macht. Einem System das Anwender gerne und damit auch häufig einsetzen werden. Apple zeigt damit noch einmal an diesem Abend, was es heißt, den Benutzer und nicht die Technik in den Mittelpunkt der Arbeit zu stellen. Die restliche Industrie darf sich bedanken, auch hier hat Apple mal wieder das Beste gegeben und gezeigt. Mission erfüllt.

Dann der erwartete Höhepunkt des Abendes: die Apple Watch. Auch hier steht ein bekanntes Produkt perfektioniert. Zur Erinnerung: Die ersten intelligenten Uhren mit einer Anbindung an den PC waren schon Anfang der 1990er auf dem Markt. Sie konnten sich aber aufgrund der umständlichen Anwendung und begrenzter Software nicht wirklich durchsetzen. Die Apple Watch ist auch „nur“ eine SmartWatch. Sie ist aber auch der Beweis, dass man mit dem richtigen Blick auf den Benutzer ein nahezu perfektes Produkt, bzw. in diesem Fall gleich drei komplette Produktreihen präsentieren kann. Eine Frage an diejenigen, die jetzt wieder die fehlende Vision anmahnen: Wenn die Präsentation einer eigenen Linie für Frauen schon als wesentliches Unterscheidungsmerkmal zur Konkurrenz dient, wie weit ist dann bitte der restliche Markt? Apple hat sich nicht nur darauf beschränkt, ein iPhone am Arm zu miniaturisieren, sondern auch über das Wesen einer Uhr nachgedacht. Hätten Samsung und wie sie heißen nur 10 Minuten gegoogelt, hätten sie dieselben Ideen haben können. Visionär heißt nicht, dass Dinge vom Himmel fallen, visionär ist man, wenn man eine Idee davon hat, wie etwas zukünftig sein wird. Und damit ist die Apple Watch sehr wohl ein visionäres Produkt und hat allen CopyCats auf eindrucksvolle Weise gezeigt, wer es wirklich kann.

Erst jetzt wird auch der restliche Markt aufwachen und sinnvolle SmartWatches präsentieren. Danke Apple. Mission erfüllt.

Damit wären eigentlich alle realistischen Erwartungen erfüllt gewesen. Können wir erleichtert aufatmen und schon mal damit beginnen, auf die neuen Produkte zu sparen. Aber „einen habe ich noch“: U2 betreten die Bühne und verschenken das erste Album in 5 Jahren an alle 500 Millionen User von iTunes. Statt sich zu bedanken, fällt die Netzgemeinde sowohl über Apple als auch U2 her. Vom Schwanengesang und Ausverkauf der Musik ist hier die Rede und wie schlecht es U2 doch gehen muss, wenn man das Album verschenkt, damit man damit die kommenden Tour bewirbt. Allerorten Enttäuschung und beleidigte Kritik. Warum eigentlich? Es ist seit ungefähr 10 Jahren Fakt, dass mit dem Verkauf von Tonträgern kein Geld mehr für die Musiker zu verdienen ist. Das Geld teilen sich Labels und Vertrieb, beim Künstler kommt nahezu nichts mehr an. Fakt ist auch, dass Bands deshalb mehr live spielen müssen und andere Vertriebsformen entdecken.

Und was ist daran bitte schlecht? Ich bin auch nicht der Meinung, dass Plattenfirmen den Großteil des Geldes einstecken sollen, aber das sich eine Branche an eine veränderte Umgebung anpasst, ist eine normale Entwicklung. Fragt in dem Kontext mal einen Fotografen, wie sein Geschäftsmodell vor 10 Jahren aussah.

U2 haben mit dem Auftritt und dem Verkauf des Albums an Apple, die es dann verschenkt haben, lediglich ein neues Vertriebsmodell erkannt und genutzt. Was daran Abgesang sein soll, will mir echt nicht in den Kopf.

Mein Fazit: Der Abend hat alle Erwartungen erfüllt, die Produkte haben den bekannten Apple Faktor und setzen in puncto Sinnhaftigkeit und Usability erneut Maßstäbe. Und das U2-Album ist cool. Apple: Danke. Mission erfüllt.

Wie anziehend sind eigentlich Wearables?

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Als sogenannter „Early Adopter“, also der Gruppe von technisch interessierten Idioten zugehörig, die alles kaufen, weil es gerade als der „der letzte Schrei“ vorgestellt wurde, frage ich mich dann bisweilen doch kritisch nach dem Sinn des ein oder anderen technischen Gizmos. So werden uns in schöner Regelmäßigkeit aus Fernost und Seattle „Wearables“ als das alleinig Seligmachende verkündet.

Angefangen hat die Sache im letzten Jahr mit „Google Glasses“, dem hippen Android-Brillengestell, das entgegen seines Namens überhaupt keine Brille war, sondern ein Miniaturcomputer ist, der einem die virtuelle Welt direkt auf die Netzhaut brutzelt. Entgegen der Erwartungen der Erfinder sind die Träger dieses Gadgets von der Gesellschaft nicht als die neuen technischen Führer erkannt worden, sondern eher als die neuen Opfer, denen man gerne mal eine aufs Maul gibt. Macht auch nicht wirklich Sinn und sieht auch noch doof aus.

Dann präsentierte man der erstaunten Öffentlichkeit das nächste „große Ding“: eine Uhr, die eigentlich keine Uhr, sondern ein Computer ist, der nur so tut als ob er eine Uhr wäre. Dieser Computer am Armband, der exakt wie eine Uhr aussieht, kann nicht nur die Uhrzeit anzeigen, sondern meldet es auch, wenn der Träger eine SMS oder eine eMail bekommt, die ihn an das neueste Katzenfoto auf Facebook erinnert. Tolle Sache, funktioniert leider derzeit nur, wenn der Träger auch ein Handy in der Tasche hat. Das kann übrigens exakt das was die Uhr, die eigentlich nur ein kleiner Computer ist, der aussieht wie eine Uhr, auch kann. Fragt man sich, warum man sich eine Uhr umschnallt, die einem sagt, dass grade das Handy in der Jackentasche klingelt. Naja, wird schon einen Sinn haben, ist ja schließlich cool.

Immer alles schlecht machen, sagen jetzt sicherlich einige, schließlich sind die „Wearables“ ja ideale Begleiter für den Sport, haben Blutdruckmesser, Schrittzähler, Pulsmesser und Geigerzähler eingebaut, die sich dann nahtlos mit der Fitness-App auf dem Handy verbinden. Gegenfrage: wer trägt bei wirklich anstrengenden sportlichen Aktivitäten eigentlich eine Uhr am Arm oder hat ein Handy in der Tasche? Ich jedenfalls nicht.

Also, zurück zum Anfang: Braucht man Wearables? Ja. Braucht man die Wearables, die es gerade am Markt gibt? Nein. Vielleicht denken die Visionäre einfach mal über den Tellerrand raus und versuchen, etwas wirklich sinnvolles zu machen.
Sonst sind bleiben wir auf dem Niveau von 1995 stehen, als Timex mit der Datalink mehr oder weniger die Wearables erfunden hat.

Abbildung: „Datalink models 50, Ironman Triathlon and Ironman USB“. Licensed under Creative Commons

Wer hat an der Uhr gedreht …

… die Zeit vergeht und wir haben uns weiterentwickelt. Wir haben neue Ideen entwickelt und interessante Projekte realisiert. Aber auch unser Tag hat nur 24 Stunden und deshalb machen wir jetzt nach einer längeren Pause mit dem Bloggen weiter. Wir wünschen, nicht nur uns, viel Spaß dabei.

Something is coming

Warum passiert hier eigentlich nichts, wird sich der ein oder andere zu Recht fragen. Nun wir arbeiten gerade an etwas Großem, das unsere gesamte Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, transatlantisch, global und unglaublich 2.0.

Wenn alles klappt, werden wir damit im August online gehen. Mehr gibt es an anderer Stelle zu lesen. Wir arbeiten nicht nur am Projekt, sondern werden die Entstehung auch entsprechend dokumentieren.

Something is coming 😉

Erster Schultag? – Gefällt mir.

Heute ist erster Schultag nach den Sommerferien hier in Baden-Württemberg. Meine Tochter zum Bus gefahren und dabei die vielen müden und dröge in ihre Handys blickenden Jugendlichen bedauert, die ab heute wieder gebildet werden. Kurz ein Gedanke, was sich aufgrund der neuen Mediennutzung am ersten Schultag radikal gegenüber den ersten Schultagen meiner Jugend geändert hat.

  • Dank Facebook muss man wirklich niemandem erklären, was man die ganzen sechs Wochen getrieben hat und spart sich auch die Nachfragen bei den Mitschülern. Ein kurzes, wissendes Nicken signalisiert Konsens; Zustimmung hat man ja schon via “Gefällt mir” zum Ausdruck gebracht und die eigene Meinung per Comment.
  • Dank Youtube und Flickr sparen wir es uns, die ganzen Urlaubseindrücke in Bewegt- und Standbild anschauen zu müssen.
  • Lokalisten, Kwick und Facebook ersparen einem die peinlichen Frage nach “wer geht mit wem?” und “wer nicht mehr?”
  • Wer´s genau wissen will, hat sowieso den RSS-Feed der Blogs der besten Freunde abonniert und tut hier regelmäßig seine Meinung kund.
  • Selbst die Lehrkräfte haben in den Sommerferien per SocialMedia schon mal erste Aufgaben gestellt und dank (mal wieder) Facebook, kennen auch sie die Befindlichkeiten der Klasse über die sechs Wochen Sommerferien genau.

Ich klicke an dieser Stelle mal den ”Gefällt mir”-Button nur halb – in der Prä-FB-Phase lag immer ein wenig Neugier und Spannung im ersten Schultag und das würde mir vielleicht fehlen. Aber das kann auch daran liegen, dass im Rückblick alles viel besser aussieht.

SocialMedia ist nicht nur FaceBook

Im Verlangen, jeder Sau die man durchs Kundendorf treiben will, gleich mal den eigenen Stempel aufzudrücken, bieten viele Kollegen aus Werbung und PR nun auch “SocialMedia-Unterstützung“ an. Für die Herren in Schwarz ist das gleichbedeutend mit Verlosungen von Unmengen Tands mit dem einzigen Ziel möglichst viele “Follower” für die auftraggebende Marke zu bekommen.

Aber halt: Klingt das nicht irgendwie nach den unbeliebten reichen Zöglingen früher auf dem Schulhof, die sich ihre Freunde mit Süßigkeiten kauften? Solange die Zuwendungen flossen, war auch der dümmste August der beste Freund – aber auch keine Minute länger.

Zurück ins Heute, wo viele dieser unbeliebten Pausenclowns aus gutem Haus entweder Werbeagenturen oder Marketingabteilungen leiten. Kurz mal zur Richtigstellung:

  1. SocialMedia ist mehr als Facebook und Twitter. Wenn man sich sozial geben möchte, dann sollte man sich im Umfeld der Zielgruppe bewegen und aktiv an deren sozialem Leben Teil haben, beispielsweise in  Foren, UserGroups, etc. Das geht aber nicht, wenn man die ganze Zeit nur nach Umsätzen, Leads und Targets giert oder nur die immer gleiche PR-Tröte spielt – da landet man schnell wieder gefesselt auf der Schultoilette.

    Das geht nur, wenn man sich ehrlich interessiert und einen entsprechenden Beitrag leistet  – der muss nicht monetär sein, der kann auch nur aus Ehrlichkeit bestehen und trotzdem wirken. Also erst mal die Zielgruppe kennenlernen, verstehen und ernst nehmen, dann kommt der Rest von ganz alleine.

  2. Lassen sich Gruppen in den Bereichen SocialMedia nur schwer fassen und bewerten. Wer sich mit anderen Trekkies über die eigene Sehnsucht nach dem Außerirdischen online austauscht, muss noch lange nicht in die altbekannte Nerd-Ecke passen. In sozialen Netzwerken ist es wie im Verein: Das gemeinsame ist oft nur ein Teil des Puzzles und hier wird ein Zugriff nach geltendem Marketingmaßstab äußerst schwierig. Im Zweifel das Thema so schmal wie möglich ansetzen, sonst kann es schnell passieren, das man das Gros der Follower durch Uninteressantes Geschwätz vergräzt – auch hier drängt sich mir wieder eine Analogie zum Schulhof und Werbeagenturen auf.
  3. Faktor Zeit – Soziales muss wachsen, das geht nicht in Kampagnengeschwindigkeit, bzw. schon, aber dann sind wir wieder auf dem Schulhof und reden nicht von einem nachhaltigen Verhältnis zum Konsumenten. Wer sich auf das Thema SocialMedia einlässt, muss sich im Klaren sein, dass er hier eine langfristige Strategie fährt. Die, wenn konsequent durchgeführt, aber auch treue Kundschaft bringt, die einer Marke mehr als vertrauen, weil man ja sowas wie Freunde ist.

So jetzt muss ich das aber schnell noch auf Facebook posten …

Kreative – schaut auf diese Stadt!

Grade schon zum zweiten Mal diese Woche gelesen “wir gehen jetzt nach Berlin, da gibt’s noch Kreativkräfte …”, einmal bei einer Stuttgarter Agentur, das andere Mal bei einer Bremer. Scheint wohl so zu sein, dass die Hauptstadt wieder eine Anziehungskraft besitzt, die sie seit den 70er des vorigen Jahrhunderts nicht mehr hatte, als alle westdeutschen Kriegsdienstverweigerer dort einen Hort des ungestörten Friedens fanden.

Also Kreative: Schaut auf diese Stadt!

Mir ist zwar noch nicht ganz klar, was ich von diesem Kreativkolonialismus halten soll, aber die Zeit wird’s zeigen. Interagenturell wird es sicherlich, wenn die Freelancer sich in den Dependancen der Agenturen aus dem Westen – komischerweise gibt es keine Ostagenturen, die in die Hauptstadt wollen – die Klinken in die Hand geben und in den Spitzenzeiten dann schon mal gegen sich selbst pitchen.

Also, wenn’s hier nicht mehr läuft, einfach mal nach Berlin und sich dort vorstellen. Wie qualitativ hochwertig dort gearbeitet wird, haben wir Schwaben ja vor kurzem mit dem neuen Regions-“Logo” erleben dürfen.

Hat der Online-Times die Zeit geschlagen?

Heute füllt die Nachricht vom starken Rückgang der Zugriffszahlen der kostenpflichtigen Times-Webseiten nicht die noch kostenlosen Nachrichtenseiten von Spiegel Online und anderen. Stellt sich an dieser Stelle mal wieder die Frage aller Fragen, wie man denn bitte im Internet Geld verdienen kann und ob die radikale “Geld-für-Inhalte”-Denkweise von Rupert Murdoch erfolg haben wird.

So einfach ist das allerdings nicht, lassen sich doch bekannte kommerzielle Modelle nicht so einfach 1:1 ins Netz übertragen, wo sich nun mal eine “umsonst-und-mit”-Philosophie breit macht. Was also tun? Zur späten Stunde ein paar schnelle Gedanken hierzu.

1. Mit Werbung lässt sich im Internet kein Geld verdienen – Fragt man sich natürlich, weshalb Google dann zu den teuersten Unternehmen zählt, wenn das nicht lukrativ ist. Ist es schon, allerdings nur für den Anbieter der Technologie, in diesem Fall Google. Dort verdient man  aufgrund der schieren Menge der geschalteten Anzeigen auch bei Beträgen, die noch 3 Nullen hinter dem Komma haben, genügend Geld – Hauptsache die Zahl der Anzeigen hat mindestens neun Nullen vor dem Komma.  Für den Kleingewerbetreibenden, der auch mal ein paar Google-Anzeigen auf seiner Seite einblendet, bedeutet das aber im Umkehrschluß, dass für seine 500 Besucher im Monat die Anzahl der Nullen hinter dem Komma zu groß ist, dass da noch was überbleibt.

2. Wird die Times / Rupert Murdoch damit erfolgreich sein? Kommen wir wieder auf die Times – hier hat man berechnet (wie seriös entzieht sich meiner Kenntnis), dass es 250.000 Abonnenten bedürfe, die fehlenden Werbeeinnahmen wieder auszugleichen. Derzeitiger Stand: circa ein Zehntel davon, sprich um die 25.000. Fragt man sich natürlich, weshalb dann dieser Schritt? Gut, ich kenne Herrn Murdoch jetzt nur aus der Presse und er ist nicht gerade für sein progressives Denken bekannt, sondern eher für eine konservative Haltung. Und in dieser Haltung ist nun mal kein Platz für ein “kostenlos”, wie wir es im Internet kennen.

Wird er damit Erfolg haben? Sicherlich nicht – gerade weil er das Pferd von Hinten aufzäumt. Zum einen hat die Presse bislang immer nur über eine Querfinanzierung durch Anzeigen gelebt, warum sollte sie das online nicht auch machen? Und letztlich ist die Online-Ausgabe nur Teil der Offline-Version, mehr oder weniger als Abfallprodukt entstanden. Dafür sind sicherlich nur die ganz technikaffinen iPad-Nutzer begeisterbar. Also, die Times wird es online spätestens in einem Jahr wieder kostenlos geben, dann aber mit noch mehr Werbung.

3. Also kann man im Internet kein Geld verdienen? Nur weil etwas umsonst ist, muss man deshalb nicht davon leben können. Das Beispiel er “Open-Source”-Software zeigt, dass es durchaus lukrativ für eine ganze Branche sein kann, kostenlose Software einzusetzen. Nehmen wir das Beispiel “Wordpress” auf dem auch dieser Blog aufbaut. Die Software wird von einer Community ehrenamtlich weiter entwickelt und steht allen Anwendern kostenlos zur Verfügung. Um dieses kostenlose Angebot ist eine ganze Industrie von Lösungsanbietern entstanden, die nur mit der Anpassung von WordPress-Installationen Geld verdienen.

Oder ein oft diskutiertes Beispiel, die Musikindustrie. Viele Musiker verdienen aufgrund der “kostenlos”-Mentalität der Konsumenten an den eigentlichen Musikstücken kein Geld oder nur wenig. Dafür aber um so mehr an Konzerten und Live-DVDs. Eine Tatsache, die im übrigen nichts mit den Tauschbörsen zu tun hat und die auch eingetreten ist, weil die Plattenfirmen und Vertriebsplattformen wie beispielsweise Apple via iTunes den Löwenanteil der Erträge abschöpfen – Apple ist hier, wie Google auch Plattformanbieter und verdient deutlich mehr als die Musiker auf der Plattform.

Musiker und andere Anbieter von kreativen Inhalten, unter anderem auch Bücher, müssen sich andere Wege suchen, wie über das eigentliche Werk hinaus Geld verdient werden kann. Als Lektüre empfehle ich hier als Gute-Nacht-Lektüre ”Free” von Chris Anderson. In seinem aktuellen Werk beleuchtet er alle Aspekte des Begriffs “Free” und stellt diese in den Kontext Internet und damit in ein völlig neues Licht. Das Buch gibt es hier als kostenlosen Hörbuch-Download Die gedruckte Version muss man allerdings kaufen, was ein Beispiel dafür ist, wie man auch mit kostenlosen Angeboten Geld verdienen kann.

Zum Start in die Woche – The next generation

Nur ein kurzer Gedanke zum Start in die Woche: Meine Tochter erzählte mir heute morgen beiläufig von ihrem gestrigen Versuch (am Sonntag), ihrem Lehrer via Facebook-Chat klar zu machen, dass er ihr das falsche Arbeitsblatt per Mail geschickt hatte (sie war die Tage vorher krank).

Ich finde daran zwei Dinge beeindruckend. Erstens, dass es für moderne Lehrer kein Problem darstellt, via Facebook mit Schülern –sogar am Wochenende – über die Inhalte von Hausaufgaben zu chatten. Und zweitens, dass unsere Kinder Medien auf eine selbstverständliche Art Nutzen, die wir uns als “Spezialisten” überhaupt nicht vorstellen können. Aber auch wir lernen nicht aus.